Kleine Käferkunde

Die bunte Welt der Käfer

 

Die einzigartige Vielfalt der Käferfamilie (wissenschaftlicher Name Coleoptera), übertrumpft alle anderen Lebensformen. Es gibt sie in über 350.000 – 400.000 bekannten Arten, allein in Europa leben 20.000 Arten, in Deutschland rund 7.000 davon. Die tatsächliche Artenzahl wird unter Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Sicher ist nur, dass die Käferfamilie – nach den Hautflüglern (Hymenoptera mit ca. 10.000 Arten) – die zweitartenreichste Tierordnung in Deutschland und die artenreichste weltweit darstellt.

Die Rüsselkäfer sind darunter mit etwa 45.000 Arten die größte Käferfamilie. In Deutschland leben allein ca. 900 Arten. Ein insbesondere in der Landwirtschaft gut bekannter Fiesling aus dieser Familie ist der Kornkäfer, europaweit wohl der größte Getreideschädling. Kornkäfer fressen so unterschiedliche Getreidesorten wie Roggen, Weizen, Gerste, Mais, Hafer, Reis etc. und können enorme wirtschaftliche Schäden vor allem in Getreidespeichern verursachen.

Ein weiterer gut bekannter Schädling ist der Borkenkäfer, insbesondere der Buchdrucker. Dieser Fiesling gräbt sich unter die Rinde der Bäume und bohrt Gänge in das Holz. Die Wasser- und Nahrungszufuhr der Bäume wird dadurch unterbrochen, wodurch diese vertrocknen und absterben. Auch der schöne schwarz-gelb gestreifte Kartoffelkäfer ist ein großer Schädling. Er kann bei massenhaftem Auftreten ganze Felder vernichten. Es gibt aber auch Nützlinge. Der Marienkäfer z. B. frisst Läuse und ist von Gärtnern gern gesehen. Laufkäfer fressen gerne ihre bösen Artgenossen. Die Larven von Leuchtkäfern (z. B. Glühwürmchen) fressen Schnecken. Die Larven des Feuerkäfers wiederum die Larven des gefürchteten Borkenkäfers, usw.

Nashornkäfer

Verbreitungsgebiet und Lebensraum von Coleoptera

 

 Vertreter der Käferfamilie besiedeln alle Lebensräume der Welt mit Ausnahme der Polarregionen und dem offenen Meer, bereits seit Millionen von Jahren. Die ältesten fossilen Käferfunde stammen aus dem letzten Zeitabschnitt des Paläozoikums (Perm) vor etwa 265 Millionen Jahren. Gegen Ende des Perms fand das wohl größte bekannte Massenaussterben der Erdgeschichte statt. Viele Käferarten haben diesen Faunenwechsel überlebt und sich bis heute weiter entwickelt. Ihr Anpassungsvermögen an die unterschiedlichsten Lebensräume ist einzigartig.

Selbst so extrem harte und widrige Umweltbedingungen, wie man sie in Wüsten vorfindet, kann sie nicht abschrecken. Der Wüstenlaufkäfer hat bürstenförmig behaarte Füße, die ihm ein extrem schnelles Laufen auf dem Sand erlauben, ohne einzusinken. So kann er auf Beutefang gehen oder bei Bedarf seinen Fressfeinden entkommen. Und wenn fortlaufen nicht hilft, setzt er seine chemische Keule ein. Er kann bis zu einer Entfernung von 35 Zentimeter eine ätzende Chemikalie (Ameisensäure) verspritzen, die potenzielle Feinde in die Flucht schlägt. Gegen die Hitze schützt sich die Art, indem sie sich tagsüber eingraben und erst nachts aktiv werden.

Im Laufe der Evolution haben sich einige Käferarten auch den Luftraum und das Wasser als Lebensraum erobert. Manche können weite Strecken fliegend zurücklegen. Andere sind hervorragende Schwimmer, wie der Gemeine Teichschwimmer oder der Gelbrandkäfer. Zu den in Deutschland bekannteren Flugkäfern, zählt der sogenannte Junikäfer, der besonders in der Abenddämmerung unterwegs sind und ganz schön lästig werden kann. Auch Rapsglanzkäfer sind irritierend, da sie oft in großen Massen umherfliegen. Beide Käferarten sind aber völlig ungefährlich. Sie stechen und beißen nicht.

Morphologie und Systematik der Käferfamilie

 

So unterschiedlich wie ihre Lebensräume ist auch das Erscheinungsbild der verschiedenen Arten. Besonders imposante Vertreter der Käferfamilie, sind der brasilianische Riesenbockkäfer, der mit einer Länge von etwa 170 Millimetern die größte Käferart repräsentiert. Oder die Goliathkäfer, die mit einem Körpergewicht von etwa 100 Gramm zu den schwersten Käfern zählen. Die größte Käferart in Mitteleuropa ist mit etwa 3,5 bis 8 Zentimeter Körperlänge der bekannte Hirschkäfer. Die äußere Körperform der Käfer, ist in der Regel den verschiedenen Lebensbedingungen geschuldet. Schwimmkäfer haben eine Stromlinienform. Baumkäfer, die unter der Rinde leben eine flache Form und solche die sich auf der Flucht vor Fressfeinden herunter fallen lassen, wiederum eine kugelige Form.

Auch Oberflächenstruktur und Körperfarbe der Käferarten sind sehr unterschiedlich ausgebildet. Neben glatten und glänzenden Oberflächen kommen auch runzlige, rillenförmige oder mit Höckern besetzte Formen vor. Die meisten Käferarten sind braun bis schwarz gefärbt, doch es gibt auch kräftig leuchtende oder metallisch glänzende Arten wie z. B. die Buntkäfer. Trotz ihrer vielfältigen unterschiedlichen Morphologie haben alle Käfer aber zwei Merkmale gemeinsam: sechs Beine und zwei Flügel. Im Folgenden eine kurze Übersicht zur stammesgeschichtlichen Verwandtschaft (externe Systematik) dieser faszinierenden Insekten:

 

  • Wissenschaftlicher Name: Coleoptera
  • Stamm: Arthropoda (Gliederfüßer)
  • Überklasse: Hexapoda (Sechsfüßer)
  • Klasse: Insecta (Insekten)
  • Unterklasse: Pterygota (Fluginsekten)
  • Überordnung: Neoptera (Neuflügler)
  • Ordnung: Käfer

 

In der internen Systematik werden die 179 Käferfamilien noch weiter in vier Unterordnungen eingeteilt. Die Art ist dabei die grundlegende Kategorie der Systematik:

 

  • Archostemata: 40 bekannte Arten
  • Myxophaga: 96 bekannte Arten
  • Adephaga: 34.000 bekannte Arten
  • Polyphaga: 320.000 bekannte Arten

Nahrungsgewohnheiten der Käfer

 

 Käfer fressen praktisch alles. Es gibt sowohl polyphag lebende Arten, die sich von vielen verschiedenen Pflanzen ernähren, als auch monophag lebende Arten, die nur eine einzige Pflanzenart verzehren. Dann gibt es räuberische Arten (z. B. Laufkäfer) die Fleischnahrung (z. B. andere Insekten) bevorzugen. Bockkäfer-, Splintholzkäfer- oder Bohrkäferarten, etc. fressen Holz. Die Fäulnisfresser ernähren sich von verwesenden organischen Substanzen. Und schließlich die Mistkäfer fressen Kot (bekanntester Vertreter ist der Skarabäus (Pillendreher)) und die Aaskäfer (z. B. der Totengräber) welche sich vom Fleisch toter Tiere ernähren. Dann gibt es noch Spezialisten wie der Baumschwammkäfer (Pilzfresser) oder die winzigen Speckkäfer, Pelzkäfer oder Teppichkäfer, die sich gerne von Wolltextilien, Leder, Federn und Haaren ernähren.

Äthiopischer Büffelkäfer (Eudicella aethiopica) scarab beetle

Das Liebesleben der Käfer

 

Das Paarungsverhalten innerhalb der Käferfamilie ermangelt jeglicher Romantik. Während andere Insekten der Auserwählten oft Geschenke überreichen, verfolgt das Käfermännchen nur ein Ziel: möglichst viele Nachkommen zu zeugen. Die Strategie aller Käferarten besteht im Wesentlichen darin, ihre Erbinformation möglichst oft an ihre Nachkommen zu übergeben, bevor ihr manchmal recht kurzes Insektenleben erlischt. Der Geruchssinn spielt im Sexleben der Käferfamilie dabei die wichtigste Rolle: Die Männchen können mit ihren großen, gekämmten Fühlern Pheromone (Duftstoffe) wahrnehmen, die von Weibchen ausgesendet werden. Da der käferliche Gesichtssinn nur wenig ausgebildet ist, hat der Geruchssinn eine desto größere Bedeutung, um die richtigen Weibchen zur Arterhaltung zu erkennen. Bei Arten, die keinen Geruchssinn zur Paarsuche einsetzten, kann es zu Fehlpaarungen kommen, wenn ähnlich aussehende Weibchen mit der eigenen Art verwechselt werden. In einer besonderen Methode der Partnersuche üben sich die Glühwürmchen.

Sie machen per Leuchtsignal auf sich aufmerksam. Des Weiteren sind Rivalenkämpfe um Balzplätze (z. B. beim Zimmermannsbock)oder direkt um die Weibchen ein beliebter Zeitvertreib der männlichen Vertreter in der Käferfamilie. Am bekanntesten sind die Rivalenkämpfe zwischen Hirschkäfern. Die männlichen Hirschkäfer werden durch die vom Weibchen ausgesendeten Duftstoffe angelockt und liefern sich erbitterte Kämpfe untereinander. Am Boden versuchen sie sich gegenseitig, umzuwerfen, auf den Bäumen von diesen herunterzustoßen. Der Sieger darf sich dann als Lohn mit dem Weibchen paaren.

Die Paarung selbst ist von unterschiedlicher Dauer. Sie kann von wenigen Sekunden bis zu vielen Stunden andauern. Ungekrönter Weltmeister unter allen Käfern ist dabei der Marienkäfer. Der Geschlechtsakt kann bis zu 18 Stunden dauern und bis zu 20-mal mit unterschiedlichen Partnern wiederholt werden. Nach der Begattung kommt die Eiablage. Aus den Eiern schlüpfen Larven, die sich im Lauf ihrer Entwicklung mehrmals häuten. Sobald sie ausgewachsen sind, schlüpfen die Larven. Diese haben nur eines im Sinn: fressen, fressen, fressen. Mit Erreichen der Puppenreife verpuppen sich die Larven. In der Puppe entwickelt sich die Larve zum ausgewachsenen Käfer, der dann schlüpft. Von der Eiablage, über das Larvenstadium und Verpuppung bis hin zur adulten Form dauert es bei den meisten Käferarten in der Regel ein Jahr.

Das heißt, jedes Jahr wächst eine neue Käfergeneration heran. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Maikäfer. Dieser bei Kindern beliebte Vertreter der Käferfamilie benötigt für seine vollständige Entwicklung volle vier Jahre, wovon er die meiste Zeit als Larve (Engerling) im Boden verbringt.